Die spätmittelalterliche Kulturoffensive der Herren von Zimmern
Von 1095 bis 1595 herrschten die Herren von Zimmern über weite Landstriche am oberen Neckar und an der oberen Donau. Und wie ihre Standesgenossen strebten sie mit mehr oder weniger noblen Mitteln nach Macht und Besitz. Doch bevor sich das Adelsgeschlecht mangels männlichen Nachwuchses aus der Geschichte verabschiedete, profilierten sich die Zimmerner mit einer einzigartigen Kulturoffensive als Mäzene, Sammler und Chronisten. Das kulturelle Erbe der edlen Herrn ist in diesem Sommer in Meßkirch und im Herbst in Rottweil zu sehen.
Versteckt in einem engen Seitental des oberen Neckar, nicht weit von Rottweil, steht die imposante Ruine der Stammburg der Herren von Zimmern.
Von dort aus mühten sie sich im Mittelalter einigermaßen erfolgreich, ihre Macht zu mehren. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts aber war die Burg ein schwäbisches Zentrum der Gelehrsamkeit und des literarischen Sammeleifers.
Wilhelm Werner von Zimmern, als Jurist einige Jahre Richter am Reichskammergericht in Speyer, zog sich zu seinen historischen Studien und zu frommer Kontemplation immer wieder auf die Burg der Ahnen zurück. Und nachdem er am Dreikönigstag 1575, seinem 90. Geburtstag, gestorben war, wurde sein Herz gemäß seinem letzten Willen unter der ersten Altarstufe der Burgkapelle von Herrenzimmern bestattet. Diese Kapelle darf heute als der am besten erhaltene Teil der Burganlage gelten, obwohl auch sie im 30-jährigen Krieg schwer Schaden litt. Später dann wurde die Bausubstanz der Burg von den Rottweilern, ihren neuen Besitzern, mehr schlecht als recht bewahrt. Und nachdem im nahen Dorf Herrenzimmern im Frühjahr 1815 eine Feuersbrunst gewütet hatte, wurden die bereits maroden Gebäude als Steinbruch missbraucht. So verfiel die einst so stolze Feste. Seit 1988 aber kümmert sich der Herrenzimmerner Geschichts- und Kulturverein beharrlich um das historische Kleinod, und an jedem ersten Sommersonntag werden Ausflügler und Wanderer auf der einstigen Turnierwiese oder im traulichen „Burgstüble“ gastfreundlich gestärkt.
Info
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Mäzene, Sammler, Chronisten
Die Grafen von Zimmern und die Kultur des schwäbischen Adels
15.07.2012 – 16.09.2012
Kreisgalerie, Kirchstraße 7,
88605 Meßkirch
Tel. 07575 20646
info@messkirch.de
30.09.2012 – 02.12.2012
Dominikanermuseum Rottweil
Kriegsdamm 4, 78628 Rottweil
Tel. 0741 7662
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Öffnungszeiten
Di-So: 10.00 bis 17.00 Uhr
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Eintrittspreise
Erwachsene 3,00 €
ermäßigt 2,00 €
Kinder und Jugendliche
bis 18 Jahre frei -
Führungen
Sonntags um 15.00 Uhr
2 € Aufschlag zum Eintritt
pro Person
Sonderführungen auf Anfrage: 40 € pro Gruppe -
Katalog
Mäzene, Sammler, Chronisten.
Die Grafen von Zimmern
und die Kultur
des schwäbischen Adels.
Belser Verlag Stuttgart (2012). 320 S., 150 Abb. geb., 34,95 €
Eine Familienchronik voller Schwänke
Vornehmlich nach geistigen Genüssen jedoch gelüstete es den anno 1519 geborenen Zimmern-Grafen Froben Christoph, wenn er von seiner Residenz Meßkirch aus den gelehrten Onkel Wilhelm Werner auf der Familien-Stammburg besuchte. Und Frobens Bildungsbeflissenheit hatte Folgen. Mit 39 Jahren begann der Edelmann die Chronik seiner Familie zu schreiben, die sich nach und nach zu einem mit allerlei Schwänken und Schnurren angereicherten Sittenbild seiner Zeit auswuchs, zu einem respektablen literarischen Werk. Neben diesem geistigen Kraftakt bescherte der Rastlose seiner Stadt Meßkirch ein Schloss, dessen Architektur im Geist der italienischen Renaissance seinerzeit nördlich der Alpen einzigartig war. Von solch doppelter Mühsal geschwächt, starb Froben Christoph bereits mit 47 Jahren.
Der Altar des Meisters von Meßkirch
Frömmigkeitsinspirierten Kunstsinn bewies in ganz außerordentlichem Maß der zweitjüngste Onkel des berühmten Chronisten, der Zimmern-Graf Gottfried Werner. Im Jahr 1536 erteilte er einem Künstler aus Schwaben, dessen Identität bis heute nicht geklärt und der als Meister von Meßkirch berühmt ist, den Großauftrag, die neugestaltete, dem Schloss benachbarte Kirche St. Martin mit Altarbildern auszustatten. Fünf Jahre lang arbeitete dieser Meister mit seinen Gehilfen an dieser gigantischen Aufgabe, und als Glanzstück und Hauptwerk des Künstlers gilt bis heute der einstige Hochaltar, dessen Mittelstück die Anbetung der Heiligen Drei Könige zeigt. Das Stifterpaar – Graf Gottfried Werner und seine Frau Apollonia von Henneberg – erscheint auf den Innenseiten der beiden Drehflügel und ist dem Heiligen Martin und dem Heiligen Johannes zugeordnet, deren Außenseiten zeigen den Heiligen Werner und Maria Magdalena, die ehemaligen Standflügel den Heiligen Christophorus und den Heiligen Andreas.
Früh allerdings schon wurde das eindrucksvolle Ensemble auseinandergerissen und zerstreut. So kommt es durchaus einer kleinen Sensation gleich, dass es den beharrlich um kostbare Leihgaben werbenden Ausstellungsmachern gelungen ist, das Gesamtkunstwerk für einige Wochen in Meßkirch wieder zu vereinen.
Der Niedergang der Grafen
Auf diesen fulminanten kulturellen Aufbruch der schwäbischen Adelsfamilie folgte deren jäher Niedergang. Die Brüder des Chronisten Froben Christoph wurden Domherren, die Ehe seines Sohnes Wilhelm, der am Innsbrucker Hof eine glänzende Karriere machte, blieb kinderlos. So verteilte sich das Familienerbe, das vornehmlich aus einem extraordinären Schuldenberg bestand, auf die acht Schwestern des letzten Grafen von Zimmern.
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